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Berufsfachschule

"Vielseitig, fachlich, stark, offen."

Wir setzen Impulse: vier wichtige Etappen an unserer Schule

Bereits 1979 hatte man in Bad Birnbach in einer Landkreisschule Physiotherapeuten und Masseure und medizinische Bademeister ausgebildet. Die eigentliche Geburtsstunde unserer Schule aber schlug 1998:  In diesem Jahr plante der Landkreis Rottal/Inn die Privatisierung der Landkreisschule. Er fand seinen idealen Partner im bundesweit aktiven Verband Physikalische Therapie – Vereinigung für die physiotherapeutischen Berufe (VPT). Der VPT und seine Mitglieder vor Ort sagten zu und setzten die Schritte hin zur Privatisierung zügig um.

In den ersten Jahren als staatlich anerkanntes, aber nun privates Ausbildungsinstitut haben Johann Konvalin aus Straubing und Alois Knauer aus Simbach die Geschäfte geleitet. Recht schnell stieg die Schülerzahl auf sechs bis sieben Klassen an. Heute werden bei uns im Durchschnitt 160 Schüler ausgebildet.

Im Frühsommer 2014 dann hat Johann Konvalin das Ruder an seine beiden Nachfolger Hans Peter Schötz und Silvia Hapuarachchige Don übergeben. Seitdem leitet der Physiotherapeut und Fachlehrer Hans Peter Schötz den Schulbetrieb, während die Kauffrau und Qualitätsmanagementbeauftragte Silvia Hapuarachchige Don die Verwaltungsgeschäfte der Schule führt.

In den Jahren seit 1998 durchlief die Berufsfachschule entscheidende Entwicklungsstadien mit eindrucksvollen Ergebnissen. Drei heben wir hier besonders hervor:

Die Aufschulung unserer Kollegen aus Österreich

Unsere VPT-Berufsfachschule ist Anlaufstelle für viele Masseure aus Österreich. Das liegt zum Teil an der grenznahen Lage Bad Birnbachs, vor allem aber an einer sehr besonderen Entwicklung.

Im Auftrag der Regierung

Im Jahr 2005 erhielten wir den Auftrag der Niederbayerischen Bezirksregierung, namentlich von Frau Dr. Schmutterer, eine besondere Ausbildungs- und Prüfungsverordnung zu verfassen. Dank ihr sollten Masseure aus Österreich, sogenannte Heilmasseure, zum in Deutschland geltenden „Masseur und medizinischen Bademeister“ aufgeschult werden können. Diese Ausbildungs- und Prüfungsverordnung hat unsere Schule auftragsgemäß erstellt. Sie ist der Bayerischen-Staatsregierung und dem österreichischen Bundesministerium für Gesundheit in Wien vorgelegt und von beiden anerkannt worden.

Hintergrund: 200 fehlende Stunden

Die österreichischen Heilmasseure haben ein Ausbildungsdefizit von ca. 200 Stunden gegenüber dem in Deutschland geltenden Masseur und medizinischen Bademeister. Dadurch  konnten sie hierzulande als Masseur nicht anerkannt werden. Die Folge: Sie hatten in Deutschland nur Chancen auf Position und Honorar als Hilfskräfte. Und das, obwohl sie überwiegend dieselbe d. h. gleichwertige Arbeit wie die in Deutschland geprüften Masseure und medizinischen Bademeister durchführten.

Chance Aufschulung

Die österreichischen Bewerber haben nach der geltenden Ausbildungs- und Prüfungsverordnung eine Anpassungsmaßnahme zu absolvieren. Unter dem Prüfungsvorsitz des Medizinaldirektorates von Niederbayern  können ausländische Bewerber an der VPT-Berufsfachschule in Bad Birnbach eine sogenannte Eignungsprüfung ablegen. Bei  erfolgreich abgeschlossener Prüfung kann bei der zuständigen Bezirksregierung ein Antrag auf die Berufsurkunde zum deutschen Masseur und medizinischen Bademeister gestellt werden. Rechtliche Grundlage für diese grenzüberschreitende Aufschulung sind EU-Richtlinien.

In Sachen Aufschulung kooperiert die VPT-Berufsfachschule Bad Birnbach inzwischen mit folgenden Institutionen:

  • eufag im Ausbildungszentrum West (AZW) Tirol in Innsbruck
  • EURAK Innsbruck
  • Dr. Bergler Ausbildungszentrum Graz in der Steiermark

Option verkürzte Ausbildung / Weiterqualifizierung (WQ)

Aus dieser Entwicklung ist für unsere österreichischen Kollegen noch eine weitere Option entstanden:

Als Masseur und medizinischer Bademeister nach deutscher Prüfungsordnung können sie sich in anderthalb Jahren zum EU-weit anerkannten Physiotherapeuten ausbilden lassen. Diese verkürzte Ausbildung, kurz WQ für Weiterqualifizierung, sorgt bis heute für einen steten Zustrom von Schülern aus Österreich an unsere VPT-Berufsfachschule.

Auch das oben genannte Lehrteam der Haller Universität in Tirol hat sich auf diese Weise weiterqualifiziert. Seitdem empfiehlt sie ihren eigenen Heilmasseur-Schülern diese Option in Bad Birnbach als erfolgreichen Weg zum Physiotherapeuten.

Runde Sache mit Nostrifizierung

Das österreichische Bundesministerium für Gesundheit in Wien erkennt mit der Nostrifizierung diesen so erworbenen Physiotherapeuten-Titel formal in Österreich an. Für diesen Akt hatte das Bundesministerium zuvor neben der Ausbildungs-
und Prüfungsordnung noch die Rahmenlehrpläne unserer Berufsfachschule geprüft.

Mit Bravour weiter qualifiziert

In der Regel führen wir jährlich zwei WQ-Klassen zum EU-weit anerkannten Physiotherapeuten. Unsere Kollegen aus Österreich haben ihre staatliche Prüfung in all den Jahren immer mit Bravour abgelegt.

Forschungsprojekt mit der Medizinischen Universität Innsbruck

Auch auf wissenschaftlicher Ebene ist eine wertvolle Kooperation mit Österreich entstanden. Sie hat enorme Bedeutung für den gesamten Berufsstand.

Comeback Faszien-Training

In den letzten 20 Jahren fristeten die Bindegewebstechniken ein Schattendasein in der Schulmedizin. Sie wurden als physikalisch-therapeutische Behandlung kaum noch verordnet. Doch jetzt erleben sie als „Faszien-Training“ bzw. als „Fasziale Manipulationen“ ein phänomenales Comeback. In den physikalischen Berufen ist ein lebhaftes Interesse an aktuellen Aus- und Fortbildungsinhalten erwachsen, ein neues fachliches Fundament ist gefragt.

An diesem Punkt ist schon 2013 erneut das grenzübergreifende Netzwerk unserer Berufsfachschule sowie der Landesgruppe Bayern des Verbands Physikalische Therapie – Vereinigung für die physiotherapeutischen Berufe (VPT) zum Einsatz gekommen.

Johann Konvalin, unser damaliger Schulleiter, gewann renommierte Wissenschaftler der Medizinischen Universität Innsbruck für die Zusammenarbeit. Hier, am Institut für Anatomie, Histologie und Embryologie, lehren und forschen die Professoren Karl-Heinz Künzel und Günther Klima. Mit ihnen entwickelte Konvalin und der VPT einen Grundlagen-Lehrgang zum Thema Faszien und Bindegewebe, der im Februar 2014 zum ersten Mal stattgefunden hat.

Erste Besonderheit: Fachpraktischer Unterricht

Statt Frontalunterricht bietet man hier den praktischen Unterricht am Präparat. Man kann verstehen, dass dies für die teilnehmenden Masseure und Physiotherapeuten qualitativ und didaktisch besonders wertvoll ist.

Zweite Besonderheit: das Faszien-Präparat

Das Innsbrucker Institut für Anatomie, Histologie und Embryologie sticht in der Wissenschaft durch sein besonders ausgeprägtes Wissen und Können um Präparationstechniken hervor. Hier kann man eine Körperspende speziell präparieren, um sie anatomisch, biomechanisch, embryologisch und histologisch – nach dem griechischen „histos“ für Gewebe – bestmöglich betrachten zu können. Aus ethischen Gründen nutzt man diese Körperspende zeitlich begrenzt. Die Forscher boten Konvalin und dem VPT an, aus einer Körperspende ein spezielles Faszien-Präparat zu entwickeln und in den Lehrgang einzubinden. Das machte den Lehrgang in Deutschland Anfang 2014 zu einem absoluten Novum.

Dimension für die Forschung

Die Forscher boten zudem an, alle Daten und Ergebnisse digital zu erfassen. Mit dieser Grundlage wollten sie das gesamte Forschungsprojekt medial aufbereiten und veröffentlichen. Die Rektorin des Instituts, Professorin Helga Fritsch, stimmte dem zu und öffnete so den Weg

  • für den VPT-Lehrgang mit dem Titel „Postgradualer Kurs ‚Faszien und Bindegewebe’“,
  • für ein aufbereitetes Curriculum über die Anatomie der Faszien für andere
    Unterrichtsangebote sowie
  • für die begleitende Forschung.

Finanzielle Förderung

Der Vorstand der Landesgruppe Bayern des VPT beschloss einstimmig, das Projekt finanziell zu fördern und die Kosten für Organisation, Präparierung und Lehrgang zu übernehmen. Die VPT-Berufsfachschule wiederum förderte das Projekt mit interner Organisation und indem sie die Mitarbeiter für Präparation und Unterricht bezahlte.

Rahmendaten

Ort des Lehrgangs:
Medizinische Universität Innsbruck Institut für Anatomie, Histologie und Embryologie. Nach der Premiere in Februar 2014 fanden weitere Lehrgänge in voller Auslastung und mit enormen Erfolg statt. Aufgrund großer Nachfrage sind weitere Lehrgänge geplant.

Auftraggeber:
Verband Physikalische Therapie – Vereinigung für die physiotherapeutischen Berufe (VPT) e.V. / Landesgruppe Bayern, Geschäftsstelle München

Projektleiter – Principal Investigator:
Johann Konvalin
Als stellvertretender Landesvorsitzender Bayern und damals Vorsitzender des Bezirks
Niederbayern; bis Juni 2014 auch Geschäftsführer und Direktor der VPT-Berufsfachschule

Projektmitarbeiter intern (Internal Co-Investigators):

  • Ass. Prof. Dr. med. univ. Karl-Heinz Künzel und Dr. med. univ. Marko Konschake, Division für klinisch-funktionelle Anatomie, Department für Anatomie, MedizinischeUniversität Innsbruck
  • Ao. Univ. Prof. Dr. med. univ. Günther Klima, Division für Histologie und Embryologie,Department für Anatomie, Histologie und Embryologie
  • Ass. Prof. Dr. Mag. Christian Haid, Univ.-Klinik für Orthopädie, Biomechanisches Labor, Medizinische Universität Innsbruck

Relevanz:
Die Resultate der anatomischen Präparation sowie der histologischen und biomechanischen Ausarbeitung der Faszien werden Erkenntnisgewinne für die weitere Therapie in der physikalischen Medizin haben. Das gilt insbesondere für Patienten/Innen mit Erkrankungen des gesamten Bewegungsapparates, ebenso in der Rehabilitation.

Netzwerk für Fachwissen: Süddeutsches Symposium

Die VPT-Berufsfachschule ist Mitglied im bundesweit aktiven Verband Physikalische Therapie – Vereinigung für die physiotherapeutischen Berufe (VPT). Dieser Verband stützt sich vor allem auf die äußerst aktiven Landesgruppen. Hier im Süden sind es die Landesgruppen Bayern und Baden-Württemberg des VPT mit ihren Geschäftsstellen in München und Stuttgart.

Mehrfacher Nutzen für die Besucher

Aus der Kooperation dieser beiden Landesgruppen heraus ist das Süddeutsche Symposium des VPT entstanden. Es findet meist Ende Januar in den Stuttgarter Messehallen statt. Schon als es 2014 aus der Taufe gehoben wurde, war es mit mehr als 800 Teilnehmern ein großer Erfolg. Die Besucher profitieren von Fachvorträgen zu aktuellen Themen und können nebenbei so ihr Fortbildungspflichten erfüllen. Parallel haben sie die Chance, in den benachbarten Hallen die medizinische Fachmesse „TheraPro“ zu besuchen und hier neue Geräte und Technologien kennen zu lernen.

Großes Plus des Süddeutschen Symposiums ist die Nähe zum Thieme Verlag, der als  medizinischer Fachverlag seinen Sitz ebenfalls in Stuttgart hat. Er führt im selben Zeitraum seinen Physiokongress durch und kann die beiden VPT Landesgruppen unterstützen. Das verringert deren Aufwand für Organisation und Finanzierung.

Von den Anfängen bis zur Gegenwart:
Mit beteiligt an dieser Entwicklung war Johann Konvalin. Der Straubinger Physiotherapeut war bis 2014 Schulleiter der VPT-Berufsfachschule und in Personalunion lange Zeit Vorsitzender bzw. später stellvertretender Vorsitzender der Landesgruppe.

Er schlägt den Bogen von den Anfängen bis zur Gegenwart:
„Im vergangenen Jahrhundert hatte die Landesgruppe Bayern ihren jährlichen Kongress in Salzburg durchgeführt, bis in die 2000er Jahre. Später gab es jährliche Landestagungen an wechselnden Standorten in Bayern. Sie waren für die Mitglieder kostenlos. Zur Jahrtausendwende erlebten wir eine Zäsur: Der organisatorische und finanzielle Aufwand war nicht mehr zu rechtfertigen und die Landestagungen fanden ihr Ende. Aber die Nachfrage istnatürlich geblieben, so ist das „Süddeutsche Symposium“ für die VPT-Mitglieder ein großer Gewinn und für die Schüler der Berufsfachschule ein wichtiger Impulsgeber.“